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1996 war ich, Clemens Gerstenberger, 2 Monate bei Hiroshi Morita, um bei ihm die Kunst des japanischen DAIKU zu erlernen. Morita sensei ist gelernter Zimmermann und ein wahrer Meister seines Faches. In Japan gibt es keine strikte Trennung zwischen Zimmermann und Tischler, wie in der westlichen Welt. Deshalb ist die Berufsbezeichnung Zimmerer- und Tischlermeister legitim. Im Oktober 2001 ging ich dann zum 2. Mal nach Japan. Aber diesmal für ein Jahr, um in der Werkstatt von Morita sensei tiefer in die Kunst des Daiku - Zimmermanns eintauchen zu können. Hauptsächlich baut Morita sensei traditionelle japanische Wohnhäuser und die damit verbundenen Inneneinbauten.

Auch heute noch, wie vor hunderten Jahren, werden in Japan Wohnhäuser in Holzbauweise errichtet. Handwerkszeuge sind somit ständiger Begleiter während der täglichen Arbeit. Für ihn bot sich die Möglichkeit, den Umgang mit Handwerkszeugen detailliert kennenzulernen. Abweichend von den westlichen Holzverbindungen gibt es in Japan eine weitaus größere Auswahl von komplizierten Verbindungsvarianten, die durch wiederkehrende Erdbeben erforderlich sind. Anfängliche Sprachbarrieren waren bald überwunden und ich konnte mich sehr schnell in die östliche Arbeitswelt hinein vertiefen. Neben der täglichen Arbeit wurde mir auch der japanische Lebensstil zuteil, den ich als sehr angenehm empfinde. Das hohe Engegement wurde bald mit viel interessanter Arbeit belohnt.

Anders, als es in der westlichen Welt üblich ist, verwenden japanische Holzhandwerker einen Hobelbalken oder das Hobelbrett als eine Art Werkbank. Der Hobelbalken, wie er auf dem Bild zu erkennen ist, mißt zirka 5~ 6 m Länge und hat am Ende einen eingeschlagenen Nagel, der als Anschlag dient und das Werkstück gegen das Verrutschen sichert. Vor dem Einbau von Holzbauteilen werden alle sichtbaren Flächen per Hand mit einem speziellen Putzhobel endbehandelt. Dies ist die natürlichste Endbehandlung, die zugleich konstruktiven Holzschutz beinhaltet. Aufwendig gearbeitet Holzverbindungen sind Garant für die Stabilität im Erdbebengebiet Japan. Ein japanischer Zimmermann erlernt in seiner Lehrzeit, die 4 ~ 6 Jahre dauern kann bis zu 100 Holzverbindungen, ein Tempelzimmermann muß hingegen bis zu 180 Verbindungen beherrschen.

Ausarbeitung der Holzverbindungen in der Werkstatt, Aufbau des Holzgerüstes beim Kunden und Richtfest.
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